Therapie/Medikamente
>> Ist Lungenhochdruck heilbar?
Wie bei vielen chronischen Erkrankungen ist eine dauerhafte Heilung der pulmonal arteriellen Hypertonie derzeit nicht möglich. Viele Beschwerden können aber heute wirkungsvoll behandelt werden, so dass die Lebensqualität des Patienten verbessert wird. Mit modernen Medikamenten kann zusätzlich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Wichtig ist jedoch in jedem Fall: Je früher die pulmonal arterielle Hypertonie entdeckt wird, umso besser sind die Behandlungsaussichten. Haben sich erst einmal die Gefäße stark verändert und hat sich eine dauernde Überlastung des rechten Herzens entwickelt, sind die Aussichten auf eine Stabilisierung der Krankheit wesentlich schlechter.
>> Wie wird Lungenhochdruck behandelt?
Je früher die pulmonal aterielle Hypertonie erkannt und behandelt wird, desto besser. Zwar ist die Erkrankung bisher nicht heilbar, aber die Beschwerden bzw. Einschränkungen lassen sich zum Teil sehr wirksam behandeln. Vor allem die spezialisierten Zentren kennen sich bestens mit den Behandlungsmöglichkeiten aus.
Grundsätzlich gilt: Behandlungsziel ist die Verbesserung der Belastungs- bzw. der Leistungsfähigkeit.
Wenn der pulmonal arteriellen Hypertonie eine andere Erkrankung zugrunde liegt, spielt auch die Behandlung dieser Grunderkrankung eine zentrale Rolle.
Die Behandlungsmöglichkeiten der PAH haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Noch vor rund zehn Jahren bestand die einzige Behandlungsmöglichkeit in der Transplantation einer Spender-Lunge, eventuell auch eines Spender-Herzens. Seit einigen Jahren sind wirksame und spezifisch wirkende Medikamente für die Behandlung der PAH zugelassen. Oft werden sie zusammen mit so genannten Basistherapeutika verabreicht.
Basistherapie
Zur Basistherapie gehört die Behandlung mit folgenden Medikamenten:
Gerinnungshemmer: Für viele PAH-Patienten ist die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente wichtig, da dadurch der Bildung von Blutgerinnseln in den Lungengefäßen vorgebeugt werden kann – somit kann der Verlauf des Lungenhochdrucks positiv beeinflusst werden.
Sauerstoff: Eine Sauerstofftherapie, (z. B. mit einer speziellen Sauerstoffbrille) kann den durch die PAH verursachten Sauerstoffmangel im Blut ausgleichen. Diese Therapie muss um wirksam zu sein aber mindestens 16 Stunden am Tag durchgeführt werden. Wie viel Liter Sauerstoff/ Minute inhaliert werden muss entscheidet Ihr Arzt.
Entwässernde Medikamente (Diuretika): Bei einer Rechtsherzschwäche ist das Herz nicht mehr in der Lage, das gesamte Blutvolumen zu pumpen – und es kommt zu einem Rückstau von Flüssigkeit in den Körper. Mit Hilfe von Diuretika, entwässernden Medikamenten, kann die gesammelte Flüssigkeit aus dem Gewebe ausgeschwemmt und über die Nieren ausgeschieden werden, was das Herz wieder entlastet.
Digitalis: Mit Digitalispräparaten lässt sich die Schlagkraft des rechten Herzens verbessern, daher stellen diese insbesondere bei gleichzeitigen Herzrhythmusstörungen eine ideale Therapieunterstützung für die PAH dar.
Spezifische Therapie
Heute sind spezifische Medikamente erhältlich, die aktiv in das Krankheitsgeschehen eingreifen. Diese Medikamente wirken gefäßerweiterend und beugen der weiteren Verengung der Lungenarterien vor. Die Folge ist eine Abnahme des Lungenhochdrucks und eine Entlastung des rechten Herzens.
Hierzu gehören: Kalziumantagonisten, PDE-5-Hemmer, das Prostazyklin beziehungsweise dessen Abkömmlinge oder die Endothelin-Rezeptor-Antagonisten.
Kalziumantagonisten
Der Einsatz von Kalziumantagonisten im Rahmen der PAH ist eine sehr individuelle Entscheidung. Diese Arzneimittel wirken zwar
direkt gefäßerweiternd und blutdrucksenkend, was direkt zu einer Entlastung des Herzens führt, allerdings sind hohe Dosierungen nötig, um die gewünschte Wirksamkeit zu erzielen, was häufig Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall oder Wasseransammlungen im Gewebe mit sich bringt. Oftmals zeigt der Kalziumantagonist auch keine Wirkung.
Endothelin-Rezeptor-Antagonisten
Der Botenstoff Endothelin spielt bei der Entstehung und im Verlauf einer PAH eine entscheidende Rolle. Er bewirkt zum einen, dass sich die Blutgefäße in der Lunge zusammenziehen, zum anderen führt er zu einer Vermehrung von Bindegewebszellen (Fibrosierung) und zu einem unkontrollierten Wachstum von Muskel- und Endothelzellen dieser Gefäße. Als Folge entsteht Lungenhochdruck. Endothelin liegt bei der PAH in erhöhtem Maße vor. Mit Hilfe von Endothelin-Rezeptor-Antagonisten wie Bosentan, Sitaxentan und Ambrisentan, kann verhindert werden, dass der Botenstoff über spezifische Empfänger (Rezeptoren) seine Botschaft verbreitet und die Gefäße und Zellen beginnen, sich zu verändern. Endothelin-Rezeptor-Antagonisten werden in Tablettenform eingenommen.
PDE-5-Hemmer
Die sogenannten PDE-5-Hemmer wie zum Beispiel Sildenafil oder Tadalafil, die in Tablettenform eingenommen werden können, wirken direkt gefäßerweiternd und helfen dadurch, den Lungenhochdruck zu senken.
Prostazyklin ⁄-Abkömmlinge
Prostazyklin ist ein im menschlichen Körper vorkommender Botenstoff. Sowohl die natürliche Form als auch prostazyklinähnliche Substanzen als Arzneimittel zugeführt, erweitern die Blutgefäße insbesondere der Lunge und helfen somit den Blutdruck in der Lunge zu senken.
Diese Medikamente werden als Dauerinfusionen verabreicht oder müssen mehrfach am Tag inhaliert werden. Tabletten mit diesen Wirkstoffsubstanzen haben sich bis jetzt in Studien noch nicht als ausreichend wirksam bei der PAH herausgestellt.
>> Wann kommt welches Medikament zum Einsatz?
Letztlich fördert jedes der genannten Medikamente auf seine spezielle Weise eine Erweiterung der Blutgefäße und wirkt einer Verdickung der Gefäßwand und damit dem Lungenhochdruck entgegen.
Für welche der medikamentösen und sonstigen Behandlungen sich Ihr PAH-Spezialist entscheidet und ob möglicherweise bei Ihnen verschiedene Medikamente gleichzeitig eingesetzt werden müssen, hängt davon ab, wie schwer der Lungenhochdruck ausgeprägt ist und welche Erkrankung ihm eventuell zugrunde liegt. Bei den Medikamenten wird Ihr Arzt mit dem Wirkstoff beginnen, der in Ihrer konkreten Situation am wirksamsten und verträglichsten ist. Eine angemessene und konsequent durchgehaltene Behandlung kann heutzutage meist die körperliche Leistungsfähigkeit über lange Zeit stabilisieren.
Diese Informationen nutzen als Quelle die aktualisierten Leitlinien zu pulmonaler Hypertonie der europäischen Kardiologen-Vereinigung (European Society of Cardiology, ESC) von 2009
(http://www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/Pages/pulmonary-arterial-hypertension.aspx)
Erstellungsdatum: Juni 2007 • Letzte Änderung: Oktober 2011