Patientenbeispiele
Hier finden Sie drei Patientenbeispiele, die kurz beschreiben, wie bei Betroffenen der Weg von den ersten Beschwerden bis zur Diagnose "Lungenhochdruck" und der Umgang mit der Krankheit aussehen kann. Vielleicht haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht und sind bislang nicht zum Arzt gegangen oder haben bislang keine eindeutige Diagnose erhalten? Die nachfolgenden Beispiele sollen Sie dabei unterstützen, rechtzeitig Ihren Hausarzt aufzusuchen oder sich gegebenenfalls zu einem entsprechenden Facharzt überweisen zu lassen.
Am Ende jedes Patientenberichts finden Sie eine Check-Liste. Diese fasst die wichtigsten Punkte für Sie als Orientierungshilfe zusammen, wenn Sie unsicher sind, ob Sie einen Arzt aufsuchen sollten.
Wann muss ich zum Arzt?
>> Wenn zunehmende Erschöpfbarkeit, Atemlosigkeit und Herzrasen auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen
Bis vor zwei Jahren war die heute 53-jährige Margit F. gesund und agil, dann begannen ihre Beschwerden: Margit F. ermüdete immer sehr schnell, wenn sie, wie seit je her gewohnt, mit dem Rad in die Stadt fuhr, um Einkäufe zu erledigen. Wenn sie zügig die Stufen zur Wohnungstür im zweiten Stockwerk hinauf ging oder mit ihrem Mann ausgedehnte Sonntagsspaziergänge unternahm, kam sie oft völlig außer Atem und war danach sehr erschöpft. Erst dachte sie sich nicht viel dabei – schließlich hatte sie ganz schön viel zu tun. Neben ihrem Halbtagsjob holte sie ihre Enkelin Lara zur Betreuung dreimal in der Woche bei Wind und Wetter mit dem Rad aus der KITA ab.
Margits Familie riet ihr allerdings kürzer zu treten, als sie von Margits Beschwerden erfuhr. Doch auch nachdem …
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ein Kindermädchen für Lara gefunden war, wichen die rasche Erschöpfbarkeit, das Herzrasen sowie die Atemlosigkeit und die Schwindelanfälle nach dem Treppensteigen oder Fahrradfahren nicht. Im Gegenteil – die Beschwerden nahmen zu. Vor ca. einem Monat musste sich Margit auf der Hälfte der Treppenstufen zur Wohnungstür hinsetzen, weil ihr regelrecht die Luft weggeblieben war – kurzzeitig hatte sie sogar das Gefühl gehabt, ohnmächtig zu werden. Es hatte einige Zeit gedauert, bis sie wieder so weit bei Kräften war, um in die Wohnung zu gelangen. Nach diesem Beinahe-Zusammenbruch hatte Margit dann einen Termin beim Hausarzt ausgemacht.
Im Gespräch hatte Margit ihrem Hausarzt erläutert, wie sich ihr Befinden in den letzten zwei Jahren veränderte, dass sie sich gesund ernährte, keine Medikamente nahm, sich immer fit gehalten hatte und vor den Beschwerden keine Kreislaufprobleme kannte. Daraufhin fragte der Arzt zunächst nach ihrem psychischen Befinden und zog in Betracht, dass ihre Probleme vielleicht stressbedingt seien oder mit den Wechseljahren zu tun haben könnten.
Nach vollständiger Anamnese war eine psychische oder wechseljahresbedingte Ursache für Margits Beschwerden jedoch unwahrscheinlich.
Eine Blutdruckmessung zeigte zwar keine Auffälligkeit, dennoch schlug der Arzt vor, einen so genannten 6-Minuten-Gehtest durchzuführen, anhand dessen Margits körperliche Leistungsfähigkeit leicht zu beurteilen sein würde. Bereits nach kurzer Zeit rang Margit nach Luft und musste ihre Schritte deutlich verlangsamen. Der Hausarzt hörte Margit ab und ordnete noch eine Blutuntersuchung und ein EKG an, die jedoch normal ausfielen. Er überwies Margit aufgrund des Testergebnisses des 6-Minuten Gehtestes an einen Lungenfacharzt (Pneumologen). Denn ihre geringe körperliche Belastbarkeit könnte eventuell von einer Lungenfunktionsstörung herrühren, was von einem Spezialisten näher abgeklärt werden müsste.
WICHTIG!
Zu Beginn der Erkrankung können unten genannte Beschwerden auftreten – diese Beschwerden können aber auch bei vielen anderen, sehr viel häufigeren Erkrankungen vorkommen. Wichtig ist, dass der Hausarzt "daran denkt", den Patienten von einem Lungenspezialisten und / oder Herzspezialisten untersuchen zu lassen:
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Luftnot
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Müdigkeit
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rasche Erschöpfbarkeit
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Gefühl der Brustenge (Angina-pectoris-ähnliche Beschwerden) bei Belastung
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Herzrasen, evtl. Herzrhythmusstörungen
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Schwindel (besonders bei Lagewechsel und starker körperlicher Belastung)
Vom Hausarzt zum Lungenhochdruckspezialisten:
Verdacht auf Lungenhochdruck – wie es dazu kam und wie es weiter geht
Bereits seit geraumer Zeit leidet Helmuth M., 73 Jahre, an zunehmend starken Erschöpfungszuständen, dauernder Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Schwindel. Nachdem er gehäuft Luftnot, Ohnmachtsanfälle und Herzrasen nach körperlicher Anstrengung bekam, wandte er sich an seinen Hausarzt.
"Genau genommen geht es mir seit meinem 70. Geburtstag immer schlechter. Erst begann es ganz harmlos. Ich dachte, das ist jetzt wohl doch das Alter, das sich bemerkbar macht. Die zunehmende Verschlimmerung meiner Beschwerden und auch Panik haben mich dann aber letztlich doch zum Arzt getrieben.
Dass man auf einmal umkippt und keine Luft mehr bekommt, weil man im Garten die Blumen gegossen hat, war schon merkwürdig. Mein Hausarzt …
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kennt mich schon lange, er hat mich eingehend befragt und ein paar Untersuchungen gemacht, unter anderem einen 6-Minuten-Gehtest, der beunruhigend ausfiel, weil ich selbst für mein Alter eine so schwache Leistung zeigte und einen starken Hustenanfall bekam. Mein Arzt sagte auch, dass mein Blutdruck zu niedrig sei und hat gleich ein EKG gemacht. Da war aber nichts Auffälliges zu sehen. Eine Blutuntersuchung hat auch nichts ergeben.
Mein Hausarzt hat aber gleich gemerkt, dass irgendwas anderes hinter meinen Beschwerden stecken muss und mich zum Lungenfacharzt überwiesen. In den letzten Wochen habe ich dort eine Reihe von Untersuchungen hinter mich gebracht, unter anderem einen Lungenfunktionstest (Spirometrie). Dabei wurden mein Atemvolumen und der Widerstand meines Bronchialsystems gemessen. Asthma oder eine Raucherlunge schloss der Lungenfacharzt ziemlich schnell aus - ich habe ja auch nie geraucht oder asthmatische Beschwerden gekannt.
Trotzdem kam ich bei einem erneuten Belastungstest so schnell wie nie zuvor außer Atem, dabei bin ich nicht mal übergewichtig. Ich musste dann in den Computertomographen, um ein besseres Bild meiner Lunge zu bekommen. Der Lungenfacharzt sagte mir, dass es Hinweise darauf gäbe, dass bei mir eventuell ein Lungenhochdruck vorliege, da die Blutgefäße in meiner Lunge verengt erschienen. Zur genauen Abklärung seien aber noch mehr Untersuchungen nötig und ich müsse auch noch zum Herzspezialisten (Kardiologen), um auf jeden Fall eine Echokardiographie und eine Rechtsherzkatheteruntersuchung machen zu lassen. Die Ärzte erklärten mir, dass Lungenhochdruck eine Blutdruckerhöhung in den Lungenblutgefäßen sei und dass die Abschätzung des Blutdrucks in der Lunge, sowie eine für Lungenhochdruck typische Verdickung der rechten Herzhälfte im Echokardiogramm erkennbar seien. Eine genaue Messung zur Abklärung sei sehr wichtig und könne nur über einen Rechtsherzkatheter erfolgen".
WICHTIG!
Besteht ein erster Verdacht, dass es sich bei Ihren Beschwerden um Lungenhochdruck handeln könnte, ist es wichtig, dass eine Rechtsherzkatheteruntersuchung durchgeführt wird. Nur damit kann die Diagnose "Lungenhochdruck" definitiv bestätigt werden.
Schwierige Diagnose Lungenhochdruck:
Das Herz gibt Aufschluss, aber die Ursache ist nicht immer feststellbar
Die 36-jährige Hausfrau Claudia B. leidet an Lungenhochdruck (medizinisch: Pulmonal Arterielle Hypertonie, PAH). Claudia weiß erst seit kurzem, dass PAH der Grund für ihre jahrelang bestehenden Beschwerden ist. Seit dem Ende ihrer Schwangerschaft bemerkte sie eine raschere Erschöpfbarkeit bei Belastung, sie fühlte sich oft grundlos müde und abgeschlagen, bisweilen war ihr schwindelig. Erst dachte sie daran, dass die neue Aufgabe mit dem Kind dafür verantwortlich sei, aber mit der Zeit verschlimmerten sich ihre Beschwerden. Schon beim Herumtollen mit ihrem Sohn bekam sie regelrechte Luftnot. Treppen zu steigen oder Einkaufstüten zu tragen, fiel ihr zusehends schwerer.
Der Hausarzt hatte Claudia deshalb in den letzten Jahren öfter untersucht. Zunächst …
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konnte er keine Ursache für Claudias diffuse Symptome finden. Zwar war ihr Blutdruck eher niedrig, aber das war an sich noch nicht verdächtig. Immer öfter jedoch litt Claudia unter starkem Herzklopfen und bisweilen heftigen Brustschmerzen. Als sie vor einigen Wochen deshalb einmal wieder zum Arzt ging, war die Verschlechterung ihres Zustandes unübersehbar. Schon die Stufen zur Praxis hinaufzugehen war für Claudia äußerst erschöpfend gewesen. Beim Abhören waren dem Hausarzt dann leicht veränderte Herztöne aufgefallen und nachdem Claudia ein Belastungs-EKG aufgrund von Erschöpfung abbrechen musste, hatte er sie zu einem Herzspezialisten (Kardiologen) überwiesen.
Der Kardiologe führte eine ganze Reihe von Untersuchungen durch. Eine Echokardiographie zeigte eine leichte Verdickung von Claudias rechter Herzhälfte, woraufhin der Kardiologe vermutete, dass ein Lungenhochdruck vorliegen könne. Die zur genauen Abklärung durchgeführte Rechtsherzkatheteruntersuchung, bei der der Druck in den Blutgefäßen der Lunge gemessen wurde, bestätigte diesen Verdacht. Daraufhin wurde Claudia eingehend untersucht, um den Grund für ihre Erkrankung zu finden. Ein angeborener Herzfehler ließ sich nicht feststellen und es lag auch keine HIV-Infektion oder Embolie vor. Nach weiteren Untersuchungen in einem Kompetenzzentrum für Lungenhochdruck konnten auch die Spezialisten keine Ursache für Claudias Lungenhochdruck finden. Bis auf die verengten Lungenarterien waren keine Auffälligkeiten an Claudias Lungen erkennbar. Die Ärzte sicherten ihre Diagnose schließlich als so genannte idiopathische PAH (IPAH), also ohne ersichtlichen Grund auftretende PAH, ab.
Claudias Ärzte begannen umgehend mit einer der erst seit wenigen Jahren verfügbaren medikamentösen Therapien, um ein weiteres Voranschreiten des Lungenhochdrucks einzudämmen. Zudem wurde Claudia eingehend beraten, was sie beachten müsse, um ihren Zustand nicht weiter zu verschlimmern: Dazu gehört zum Beispiel, körperliche Anstrengungen zu meiden. Schwanger darf Claudia nicht mehr werden, das würde ihren Körper zu sehr belasten. Auch Flugreisen sollte sie eher vermeiden.
WICHTIG!
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Bei Lungenhochdruck ist auch das Herz (rechte Herzhälfte) betroffen
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Bei Lungenhochdruck können typische Veränderungen im EKG vorliegen, müssen aber nicht
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Eine Echokardiographie kann die typischerweise Verdickung der rechten Herzhälfte bei fortgeschrittenem Lungenhochdruck sichtbar machen und erlaubt eine Abschätzung des Blutdrucks in der Lungenarterie
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Eine Rechtsherzkatheteruntersuchung ist notwendig, um die Diagnose abzusichern
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Lungenhochdruck kann aufgrund von Vorerkrankungen entstehen – muss aber nicht. Das herauszufinden ist sehr wichtig, denn eventuell kann die Grundkrankheit behandelt werden und der Lungenhochdruck bessert sich dadurch auch.