Diagnostik & Häufigkeit

Diagnostik des Lungenhochdrucks


Es ist nicht einfach, Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie, PH) eindeutig von anderen Erkrankungen zu unterscheiden. Dabei ist es aber unbedingt notwendig, eine genaue Diagnose zu stellen, damit der Patient die optimale Therapie erhält.

Wie häufig wird eine pulmonal arterielle Hypertonie (PAH) diagnostiziert?


Die PAH zählt zu den seltenen Erkrankungen: Die geschätzte Häufigkeit beträgt 15 - 50 Fälle auf 1 Million Einwohner. In Deutschland sind schätzungsweise 2 000 bis 6 000 Menschen von PAH betroffen, wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte, weil die Diagnose aufgrund der unspezifischen Beschwerden oft schwer zu stellen ist.

► Besonders selten sind die erblich bedingten (hereditäre PAH, HPAH)
    oder ohne erkennbare Ursache (idiopathische PAH, IPAH) auftretenden
    PAH-Formen.
► In bestimmten Risikogruppen (z.B. HIV-Patienten, Patienten mit Sklerodermie) ist die Häufigkeit
    deutlich höher.

Diagnose Schritt für Schritt


Am Anfang steht, wie bei jeder anderen Erkrankung auch, das umfassende Arztgespräch mit Fragen nach Beschwerden, Risikofaktoren, möglicher Medikamenteneinnahme etc. Die typischen ersten Beschwerden der PAH wie Luftnot und allgemeiner Leistungsabfall können auch bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen und erlauben allenfalls einen Verdacht, jedoch noch keine Diagnose. Auch die körperliche Untersuchung ist anfangs oft ohne eindeutigen Hinweis auf die Erkrankung. Untersuchungen wie EKG oder Röntgen von Herz und Lunge können gerade zu Beginn einen normalen Befund zeigen und erst bei Fortschreiten der Erkrankung Hinweise auf das Vorliegen eines Lungenhochdrucks geben.

Wie stellt der Arzt Lungenhochdruck fest?


Wenn der Hausarzt bei Ihnen einen Lungenhochdruck vermutet, sollte er Sie an einen Spezialisten für Lungenerkrankungen überweisen. Die größte Erfahrung mit dieser oft noch unbekannten Krankheit haben spezialisierte Zentren. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Feststellung und Erstbehandlung des Lungenhochdrucks. Zunächst geht es vor allem darum, andere mögliche und vergleichsweise häufigere Erkrankungen der Lunge und des Herzens als Ursache der geklagten Beschwerden auszuschließen. Der Arzt lässt sich von Ihnen zunächst Symptome und Krankheitsverlauf schildern und setzt dann verschiedene Untersuchungsverfahren ein.

Körperliche Untersuchung und Gehtest


Schon bei der körperlichen Untersuchung hat der Arzt die Möglichkeit, eine  übermäßige Belastung Ihrer rechten Herzkammer festzustellen – etwa dann, wenn er Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme) entdeckt. Außerdem kann das Abhören von Herz und Lunge Hinweise auf einen Lungenhochdruck geben, zum Beispiel durch krankhaft veränderte Herztöne. Ihre körperliche Belastbarkeit kann der Arzt mit einem Gehtest ermitteln, bei dem Sie 6 Minuten lang ebenerdig möglichst weit gehen müssen.

Laboruntersuchungen


Wichtig ist auch eine Blutuntersuchung. Sie gibt Aufschluss über die Nieren- und Leberwerte sowie die Konzentrationen der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen.

Apparative Untersuchungen


Auskunft über die Funktion Ihres Herzens erhält der Arzt auch durch das Elektrokardiogramm (EKG). Diese Methode misst Herzströme über Elektroden an der Hautoberfläche. Die aufgezeichneten Herzströme lassen Rückschlüsse etwa auf den Herzrhythmus zu. Vor allem bei schon schwerer ausgeprägtem Lungenhochdruck zeigt das EKG typische Veränderungen an.
Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs kann hauptsächlich bei fortgeschrittener Erkrankung Hinweise auf Lungenhochdruck liefern: Im Röntgenbild sind dann vergrößerte Lungenarterien, womöglich auch ein vergrößertes rechtes Herz zu erkennen. Weil Lungenhochdruck sich nicht so einfach wie der Blut (hoch) druck im großen Kreislauf mit einem Messgerät am Arm feststellen lässt, gibt es zwei besondere Messverfahren: die Echokardiographie und die Katheter-Untersuchung des rechten Herzens (Rechtsherz-Katheter-Untersuchung).

Echokardiographie


Die Echokardiographie zählt zu den Grunduntersuchungen und ist die wichtigste Untersuchungsmethode bei Verdacht auf Lungenhochdruck. Die Echokardiographie ist eine Form der Ultraschalluntersuchung und erfolgt somit nicht-invasiv, für Sie ohne bekanntes gesundheitliches Risiko und schmerzfrei. Mit der  Echokardiographie können beispielsweise die Herzgröße, die Dicke der Herzwände, die Bewegung der Herzklappen und die Druckverhältnisse im Herzen beurteilt werden.

Rechtsherz-Katheter-Untersuchung

 
Wenn sich aus den Grunduntersuchungen Hinweise auf einen Lungenhochdruck ergeben, werden weiterführende Spezialuntersuchungen eingesetzt. Hierzu zählt vor allem die Rechtsherz-Katheter-Untersuchung. Dazu schiebt Ihr Arzt über eine Vene einen dünnen Kunststoffschlauch mit einer Messsonde bis in die rechte Herzkammer und die arteriellen Lungengefäße vor. Diese Untersuchung ist die einzige Methode, mit der die Blutflusswerte und vor allem ein erhöhter Druck in der Lungenarterie direkt gemessen werden kann. Auch lassen sich Aussagen darüber treffen, inwieweit das rechte Herz bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Rechtsherz-Katheter-Untersuchung ist für die definitive Diagnose einer PAH unerlässlich, um die Schwere der Beeinträchtigung und die Vasoreaktivität des Lungenkreislaufs zu beurteilen.


Die Rechtsherz-Katheter-Untersuchung ist eine minimal-invasive Methode, um die Diagnose Lungenhochdruck ganz sicher zu bestätigen oder eventuell auszuschließen und daher unerlässlich. Vorteil dieser Methode ist, dass nur hierbei der Druck in den Blutgefäßen der Lunge genau und direkt gemessen werden kann. Diese bewährte Untersuchung kann ambulant oder im Rahmen eines kurzen Klinikaufenthaltes durchgeführt werden.

Weiterführende Untersuchungen


Steht fest, dass bei Ihnen ein Lungenhochdruck vorliegt, sollten weitere gezielte Untersuchungen durchgeführt werden, um körperliche Veränderungen detailliert zu erfassen und um herauszufinden, ob bei Ihnen eine Grunderkrankung zum Lungenhochdruck geführt hat. Hier eine kurze Übersicht über die wichtigsten weiteren Untersuchungen, die unter "Untersuchungen" genauer beleuchtet werden:

Diese Informationen nutzen als Quelle die aktualisierten Leitlinien zu pulmonaler Hypertonie der europäischen Kardiologen-Vereinigung (European Society of Cardiology, ESC) von 2009 (http://www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/Pages/pulmonary-arterial-hypertension.aspx) Erstellungsdatum: Januar 2014

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