Diagnose Schritt für Schritt – wie kann der Arzt Lungenhochdruck erkennen?

Am Anfang steht, wie bei jeder anderen Erkrankung auch, das umfassende Arztgespräch mit Fragen nach Beschwerden, Risikofaktoren, möglicher Medikamenteneinnahme etc. Die typischen ersten Beschwerden der PAH wie Luftnot und allgemeiner Leistungsabfall können auch bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen und erlauben allenfalls einen Verdacht, jedoch noch keine Diagnose. Auch die körperliche Untersuchung ist anfangs oft ohne eindeutigen Hinweis auf die Erkrankung. Untersuchungen wie EKG oder Röntgen von Herz und Lunge können gerade zu Beginn einen normalen Befund zeigen und erst bei Fortschreiten der Erkrankung Hinweise auf das Vorliegen eines Lungenhochdrucks geben.


Im Folgenden eine kurze Übersicht über die wichtigsten Untersuchungen, die im Anschluss genauer beleuchtet werden.

Arzt-Patienten-Gespräch/Erhebung der Krankengeschichte
und körperliche Untersuchung

Warum?
Durch eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung kann der Arzt seine Anfangsvermutung erhärten oder bereits entkräften.

Wie?
Typische Fragen des Arztes an den Patienten:

  • Welche Beschwerden liegen vor? Z.B. Atemnot? Erschöpfung? Leistungsminderung?
  • Gibt oder gab es Familienmitglieder mit Lungenhochdruck?
  • An welchen Erkrankungleiden Sie? Beispielsweise an chronischen Bindegewebserkrankungen, angeborenen Herzfehlern oder an einer HIV-Infektion? (Hintergrund: Alle genannten Erkrankungen erhöhen das Risiko, an Lungenhochdruck zu erkranken)
  • Nehmen Sie Medikamente ein? (Welche: z.B. Appetitzügler?), Nehmen Sie Drogen? (Hintergrund: Einige Medikamente und auch bestimmte Drogen können Lungenhochdruck verursachen)

 

Wichtige körperliche Untersuchungen:

  • Sorgfältiges Betrachten des Patienten: Dadurch können beispielsweise Anzeichen der übermäßigen Belastung der rechten Herzhälfte erkannt werden (z.B. bläuliche Haut- oder Lippenverfärbung, gestaute Halsvenen, Wasseransammlungen im Gewebe)
  • Abhören des Herzens: Bei Lungenhochdruck können die Herztöne verändert sein

 

Elektrokardiogramm (EKG)

Warum?
Das EKG gibt Auskunft über den Zustand des Herzens, d.h. über Herzrhythmus und -frequenz und Störungen der Taktgeberfunktion (durch regelmäßige Nervenreize wird das Herz zum Schlagen angeregt) Bei Lungenhochdruck können typische Veränderungen im EKG vorliegen, müssen es aber nicht. Ein normales EKG schließt daher eine PH nicht aus. Dennoch sollte ein EKG als Basisuntersuchung vorgenommen werden, weil es einfach durchzuführen ist und der Arzt einen ersten Anhaltspunkt über den Zustand des Herzens erhält.

Wie?
Im Herz befindet sich ein spezielles Reizbildungs- und -leitungssystem, in dem elektrische Erregung entsteht und sich ausbreitet. Dadurch wird das regelmäßige Pumpen des Herzens überhaupt erst möglich. Diese elektrische Aktivität des Herzens wird mit Hilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) gemessen und in Form von Kurven aufgezeichnet. Dazu werden im Liegen auf den Armen, Beinen und dem Brustkorb Elektroden angebracht. Die Aufzeichnung kann sowohl auf einem Bildschirm als auch auf Millimeterpapier erfolgen.

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Röntgenaufnahme des Brustkorbs

Warum?
Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme des Brustkorbes kann der Arzt das Körperinnere beurteilen; vor allem Lunge und Herz. Bei Lungenhochdruck können an diesen beiden Organen typische Veränderungen sichtbar werden.

Wie?
Der Arzt fertigt eine so genannte Übersichts-Röntgenaufnahme des Brustkorbes an.

 

Echokardiographie

Warum?
Die Echokardiographie ist eine Herzuntersuchung, mit der beispielsweise die Herzgröße, die Dicke der Herzwände, die Bewegung der Herzklappen und die Druckverhältnisse im Herzen beurteilt werden können. Sollte – typischerweise – die rechte Herzhälfte bereits durch den Lungenhochdruck geschädigt sein, kann der Arzt das mittels der Echokardiographie erkennen. Außerdem lässt sich der Blutdruck in der Lungenarterie abschätzen, da die Druckverhältnisse in der rechten Herzkammer diesem weitgehend entsprechen.

Wie?
Die Echokardiographie ist eine Form der Ultraschalluntersuchung und damit für den Patienten ohne jegliches gesundheitliches Risiko und schmerzfrei. Dabei werden Ultraschallwellen durch den Körper des Patienten gesendet. Die Schallwellen werden von den Blutbestandteilen und Geweben reflektiert und dann vom Gerät aufgezeichnet.

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Biomarker-Untersuchung

Warum?
Bestimmte Biostoffe im Körper können als Marker für Lungenhochdruck dienen. Das ist z.B. der Eiweißstoff brain natriuretic peptide (BNP) oder eine seiner Vorstufen (nt BNP). Diese Stoffe finden sich auch im gesunden Körper, liegen jedoch bei einer Schädigung der rechten Herzhälfte, wie sie für den Lungenhochdruck typisch ist, in ungewöhnlich hoher Konzentration vor. Ist die Konzentration des Biomarkers erhöht, bedeutet das jedoch nicht zwingend, dass ein Lungenhochdruck vorliegt. Dazu sind noch weitere Hinweise nötig.

Wie?
Die Konzentration dieser Biostoffe kann durch eine einfache Blutuntersuchung erfolgen.

Wenn durch diese Basisuntersuchungen sicher festgestellt werden konnte, dass der betreffende Patient nicht an Lungenhochdruck leidet, müssen andere Untersuchungen vorgenommen werden, um den Beschwerden auf den Grund zu gehen.

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Spiroergometrie

Warum?
Bei der Spiroergometrie handelt es sich um eine spezielle Untersuchung, bei der die Ausdauerleistungsfähigkeit und die Leistungsfähigkeit des kardiopulmonalen Systems
beurteilt wird.

Wie?
Der Patient trägt dabei eine Atemmaske, über die die Ausatemluft während körperlicher Belastung (zum Beispiel auf dem Fahrrad oder Laufband) gemessen und analysiert
wird.

 

Rechtsherzkatheter-Untersuchung

Warum?
Eine Rechtsherzkatheter-Untersuchung ist notwendig, damit die Diagnose "Lungenhochdruck" ganz sicher bestätigt oder eventuell ausgeschlossen werden kann. Diese Untersuchung ist ein bewährtes Verfahren. Es wird überwiegend in speziellen medizinischen Zentren von erfahrenen Ärzten durchgeführt, so dass es nur sehr selten zu Komplikationen kommt. Der entscheidende Vorteil bei dieser Methode – deshalb ist sie auch von großer Wichtigkeit – ist, dass nur hierbei der Druck in den Blutgefäßen der Lunge genau und direkt gemessen werden kann. Außerdem kann der Arzt während dieser Untersuchung testen, ob der Patient auf spezielle Medikamente, die so genannten Kalzium-Antagonisten, anspricht. Ist dies der Fall, können die Patienten mit Kalzium-Antagonisten gut behandelt werden. Allerdings sprechen nur sehr wenige Patienten auf diese Medikamente an.

Wie?
Die Untersuchung kann ambulant oder im Rahmen eines kurzen Klinikaufenthaltes durchgeführt werden. Mit den Vorbereitungen dauert sie ungefähr eine Stunde. Zur Untersuchung der rechten Herzhälfte punktiert der Arzt wie bei einer Blutentnahme eine Vene in der Leiste, Ellenbeuge oder am Hals und führt dann einen dünnen Kunststoffschlauch, den so genannten Katheter, in das Blutgefäß ein. Anschließend wird der Katheter in den Blutgefäßen bis in die rechte Herzkammer und in die Lungengefäße vorgeschoben. Durch die drucksensible Spitze des Katheters kann der Arzt den Druck im rechten Herzvorhof und in der Lungenarterie messen. Zusätzlich kann er röntgenstrahlendichtes Kontrastmittel über den Katheter einspritzen und damit den Verlauf der Lungengefäße sichtbar machen und sogar eventuell verschleppte Blutgerinnsel in den Gefäßen entdecken. Ist die Untersuchung abgeschlossen, wird der Katheter entfernt und die kleine Wunde per Druckverband verschlossen.
Die Herzkatheteruntersuchung ist eine gut verträgliche Untersuchung. In Einzelfällen kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen, die jedoch nur in ganz seltenen Fällen lebensbedrohlich und durch Medikamente gut in den Griff zu bekommen sind.

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Spezielle Untersuchung bei Verdacht auf familiären Lungenhochdruck
 

Genetische Testung und Beratung

Warum?
Mittlerweile ist es erwiesen, dass es eine vererbbare Form des Lungenhochdrucks gibt. Man kennt heute an der Vererbung beteiligte Gene (Träger der Erbinformation), welche durch eine Mutation (zufällige Veränderung des Erbguts) verändert sind. Ein Mensch mit dieser ererbten Mutation hat ein höheres Risiko, Lungenhochdruck zu bekommen. Keinesfalls ist eine Veränderung des Gens zwingend mit dem Ausbruch der Krankheit verbunden. Dazu gehören zusätzliche äußere Einflüsse. Leidet in einer Familie eine auffällig hohe Anzahl an Menschen an Lungenhochdruck, kann das ein Hinweis auf eine erbliche Komponente sein. Familienmitglieder, die nicht (oder noch nicht) erkrankt sind, können sich genetisch untersuchen lassen, um mehr Gewissheit zu erlangen. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass niemand zu einer genetischen Untersuchung gezwungen werden kann und seien die Verdachtsmomente noch so groß. Jeder Mensch hat in dieser Situation nicht nur das Recht auf "Wissen" sondern auch das Recht auf "Nicht-Wissen".

Wie?
Für die eigentliche genetische Untersuchung ist meist lediglich eine einfache Blutentnahme notwendig. Dennoch sollte die Untersuchung unbedingt durch einen Spezialisten (Arzt für Humangenetik) erfolgen. Denn es geht hierbei nicht nur um die Untersuchung sondern vor allen Dingen um das danach statt findende Beratungsgespräch, so dass der Patient mit einem womöglich negativen Befund nicht alleine gelassen wird, sondern dieser mit ihm realistisch besprochen wird.

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Diese Informationen nutzen als Quelle die aktualisierten Leitlinien zu pulmonaler Hypertonie der europäischen Kardiologen-Vereinigung (European Society of Cardiology, ESC) von 2009
(http://www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/Pages/pulmonary-arterial-hypertension.aspx)
Erstellungsdatum: Juni 2007 • Letzte Änderung: Oktober 2011