Charakterisierung des zuvor gesicherten Lungenhochdrucks

Diagnose Schritt für Schritt – wie kann der Arzt Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie, PH) erkennen?

Wenn die Diagnose "Lungenhochdruck" feststeht, muss durch weitere Untersuchungen geklärt werden, ob eventuell eine noch unentdeckte Grunderkrankung die Ursache für den erhöhten Druck in der Lunge ist. Dies herauszufinden ist wesentlich für die Auswahl der richtigen Therapie. Wenn eine solche Grunderkrankung erfolgreich behandelt werden kann, bessert sich dadurch meist auch der Lungenhochdruck.

Mit folgenden weiterführenden Untersuchungen
kann der Arzt ursächliche Erkrankungen aufdecken:

 

Lungenfunktionsuntersuchung

Warum?
Um zu prüfen, ob eine Lungenerkrankung für die PH verantwortlich ist, wird die Lungenfunktion des Patienten analysiert.

Wie?
Mit der so genannten Spirometrie kann das ein- bzw. ausgeatmete Luftvolumen, das Atemvolumen, gemessen werden. Dabei muss der Patient mittels eines Mundstücks über das Messgerät, das Spirometer, atmen. Die Spiroergometrie bei Belastungstests ist eine spezielle Ergometriemethode mit einer Mund-Nasen-Maske zur Erkennung und Verlaufskontrolle typischer Störungen bei Lungenhochdruck (PH / PAH). Für genauere Messungen benötigt man beispielsweise die Bodyplethysmographie. Sie ermöglicht eine Analyse der gesamten Atemmechanik. Ein Bodyplethysmograph ist eine meist 700 bis 1000 Liter fassende luftdicht verschließbare Glaskabine. Mit ihm ist es möglich, sowohl Atemvolumen als auch Widerstand des Bronchialsystems zu messen. Der Arzt kann dann anhand der Messergebnisse entscheiden, ob und in welchem Umfang die Funktion der Lunge krankhaft verändert ist.

Belastungstest: 6-Minuten-Gehtest:

Warum?
Diese einfache Untersuchungsmethode ist wichtig für die Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Wie?
Der Patient wird gebeten, sechs Minuten lang auf ebenem Boden möglichst weit zu gehen. Die zurückgelegte Wegstrecke wird in Metern gemessen. Das Ergebnis lässt sich mit den Werten gesunder Menschen vergleichen bzw. kann bei wiederholten Tests Aufschluss geben, ob sich die körperliche Belastbarkeit verschlechtert oder - während einer Behandlung - verbessert hat.

nach oben Zum Anfang

Laboruntersuchung / Blutuntersuchung

Warum?
Diese Untersuchungsmethode dient dazu, beispielsweise krankhafte Veränderungen der roten und weißen Blutkörperchen, mögliche Infektionen und Autoimmunerkrankungen (= Erkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Bestandteile angreift) zu entdecken. Außerdem gibt die Blutuntersuchung Auskunft über die Funktion der Leber und der Nieren.

Wie?
Dem Patienten wird Blut abgenommen. Dieses wird im Labor untersucht. Unter anderem werden untersucht:

  • Die Menge und Beschaffenheit der Blutzellen (z.B. rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten))
  • Das Blut wird auf das Vorliegen typischer Entzündungsanzeichen hin untersucht, um Infektionskrankheiten auszuschließen (z.B. HIV-Antikörper, Virusbestandteile zum Nachweis einer HIV-Infektion)
  • Leber- / Nierenfunktionswerte, die im Blut "ablesbar" sind
  • Das Blut wird auf das Vorhandensein von Autoantikörpern (= Bestandteile des Immunsystems, die krankhafterweise gegen körpereigene Strukturen vorgehen) hin untersucht, um Autoimmunkrankheiten (z.B. Bindegewebserkrankungen) auszuschließen

nach oben Zum Anfang

Computertomographie (CT)

Warum?
Mit der Computertomographie, dem so genannten "Schichtröntgen", können im Vergleich zu einer konventionellen Röntgenaufnahme besonders Weichteile, wie z.B. Herz und Lunge, besser dargestellt werden. Mit der CT des Brustraumes können Blutgefäße, Ausdehnungen der Herzkammern und -vorhöfe sowie Veränderungen im Lungengewebe besser beurteilt werden als mit einer gewöhnlichen Röntgenaufnahme. Bekommt der Patient während der Untersuchung ein spezielles Kontrastmittel, können Gewebestrukturen, z. B. Organe gut dargestellt werden. Auch können mit dieser Methode eventuelle Blutgerinnsel in den Lungenarterien, die ursächlich für einen Lungenhochdruck sein können, nachgewiesen oder ausgeschlossen werden.

Wie?
Bei der Computertomographie handelt es sich um ein aufwändiges Röntgenverfahren. Im Gegensatz zum konventionellen Röntgen werden mittels einer speziellen Technik Querschnittsbilder von allen Körperregionen hergestellt, der Körper wird also Schicht für Schicht dargestellt.

nach oben Zum Anfang

Perfusionsszintigrafie

Warum?
Mit der Perfusionsszintigraphie kann die Durchblutung der Lunge dargestellt werden. Der Arzt kann mit dieser Methode feststellen, ob der Blutfluss durch die Lunge möglicherweise durch Blutgerinnsel oder Tumore behindert wird. Auch dies kann zu erhöhtem Druck in den Lungengefäßen führen.

Wie?
Die Lungenperfusionsszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung. Zur Vorbereitung der Untersuchung wird dem Patienten eine Flüssigkeit injiziert, die schwach radioaktive Teilchen enthält. Diese Teilchen reichern sich in der Lunge an und senden dort Strahlen aus. Mit einer speziellen Kamera kann diese Strahlung als Bild sichtbar gemacht werden. Noch ein Wort zur Strahlenbelastung: Diese ist bei einer szintigraphischen Untersuchung meist kleiner als bei einer gewöhnlichen Röntgenuntersuchung.

nach oben Zum Anfang

 

Diese Informationen nutzen als Quelle die aktualisierten Leitlinien zu pulmonaler Hypertonie der europäischen Kardiologen-Vereinigung (European Society of Cardiology, ESC) von 2009
(http://www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/Pages/pulmonary-arterial-hypertension.aspx)
Erstellungsdatum: Juni 2007 • Letzte Änderung: Oktober 2011